Montag, 3. August 2015

Interview über Kinderwunsch, IVF Behandlungen, natürliche Methoden und Gefühle

Ich hatte die Gelegenheit, einige interessante Fragen zum Thema Kinderwunsch, IVF Behandlungen, natürliche Methoden und Gefühlszustand zu beantworten. Danke an Marcus Krahlisch! Für das Interview bitte hier klicken.

Sonntag, 19. Juli 2015

Erfahrung Unerfüllter Kinderwunsch: Teil 2 meiner Geschichte bei Amazon


Zweiter Teil von meiner Geschichte
BEFORE I GOT PREGNANT Part 2 - 2 IVFs and 2 beautiful lines
ist erhältlich bei Amazon.
Für mehr Informationen bitte hier klicken.

Montag, 29. Juni 2015

Neuer Cover für Band 2



Den Text von meinem Erfahrungsbericht über meine Jahre mit unerfülltem Kinderwunsch habe ich noch nicht übersetzt, aber den Cover für Band 2 ist schon da.
Naja, wer sagt, dass die Reihenfolge im Leben immer perfekt sein muss?! :)
Also: Ähnliches Bild, aber doch ein bisschen anders. Wie gefällt's?

Mittwoch, 3. Juni 2015

Über Risiken bei künstlicher Befruchtung

Man spricht zu wenig über die Risiken der künstlichen Befruchtung. Meine Gedanken dazu im Video:

Und hier ein Artikel zum Thema "künstliche Befruchtung und möglicherweise erhöhtes Brustkrebs-Risiko". Was meint Ihr dazu?

Dienstag, 19. Mai 2015

Anett die Stadtgärtnerin

Mal was anderes: mein Hobby Stadtgarten auf dem Balkon.
Mit Erdbeeren, Himbeeren, Tomaten und... einer Taubenfamilie!

Freitag, 8. Mai 2015

Muttertag ohne Kind

Es gab Zeiten, wo ich es aufgegeben habe, jemals den Muttertag als Mutter feiern zu können.
Der Tag ist später doch gekommen!
Es gibt schöne Lebensereignisse, die dir passieren können, auch wenn du nicht mehr an sie glaubst...
Auf dem Bild siehst du mich mit dem Geschenk von meiner Tochter zum Muttertag. Auf dem Herzchen steht ihr Handschrift: "Édesanyám". Dieses Wort bedeutet auf Ungarisch: "Meine Mutter". "Anyám" kann man auch als "Mutter" ins Deutsche übersetzten. "Édesanyám" ist vielleicht noch schöner, "Édes" bedeutet nämlich: "süß" und so "Édesanyám" wortwörtlich sowas wie "Meine süße Mutter" .

2 Wochen nach Embryostransfer Teil 1

In der nächsten Woche hatte ich gerade Ferien von der Uni, so konnte ich ohne die Vorlesungen zu versäumen, zu Hause entspannen. Ich absolvierte den Unterricht im Ministerium, der Saal wurde natürlich gerade vorher frisch gestrichen, und es roch unheimlich nach Farbe und Chemikalien, aber ich versuchte, mir darüber keine Sorgen zu machen.
Ausserdem ging ich nirgendwohin – ich bin zu Hause geblieben, las an einem Buch, bereitete mich auf ein Referat an der Uni vor, malte an meinem Bild über den kleinen Garten. Ich ass viel Fleisch und trank ausschliesslich Kamille und Hagebuttentee. Ich habe Schwarzen Tee, Cola und Fertiggerichte gemieden (Kaffee trinke ich sowieso nicht)... Hab’ auf mich aufgepasst. Ich wagte nicht einmal zu niesen – ich hockte, nur in der Position gab ich mir selbst die Genehmigung dafür, damit mein Bauch nicht ins Schütteln kommt.
Ich fühlte mich wohl, mir fehlte nichts. Ich nahm meine Tabletten, benutzte die Vaginaltabletten dreimal täglich, danach legte ich mich für eine Viertelstunde auf das Sofa, damit  nichts  wegfließt.
Ich hatte keine Hyperstimulation, mein Bauch ist jedoch größer geworden – meine Knochen an den Hüften, die, da ich so dünn war, schon immer zu sehen waren, sind plözlich verschwunden!
Ich habe beschlossen, wegen Erika kein Abschied von dem Internetforum zu nehmen, obwohl die Gefahr da war, dass sie mein Tagebuch im Netz findet und so alles über meine Familie und meine Seelensschmerzen erfährt. So kann sie meine erste Leserin werden, der ich persönlich nicht gerne meine größten Geheimnisse mitteilen würde.
Ich wollte aber auf keinen Fall entlaufen, so informierte ich weiterhin täglich die anderen im Internetforum und ich „hörte“ ihnen auch zu, besonders meinen beiden Leidensgenossen, die mir am nähesten waren – den beiden also, die eine Woche vor mir beziehungsweise drei Tage nach mir den Embryotransfer hatten.
Leider hatte ich die Sache mit Erika die ganze Zeit irgendwo im Hinterkopf, obwohl es mir klar war, dass ich mich damit nicht beschäftigen durfte. Es kränkte mich auch, dass Ádám am ersten Tag nicht angerufen hatte, und seitdem hat er mich auch nicht an den Händen getragen, wie es zu dem Held eines rosaroten Liebesromans passen würde: es gingen bereits sieben Tage vorbei, und er hat in der Wohnung immer noch nicht staubgesaugt! (Ich traute mich nicht an den Staubsauger.)
Meine Freundin Zsuzsa meldete sich auch  die ganze Woche lang nicht mehr. Eigentlich wusste ich nicht, inwiefern ich all das, was sich in mir bewegte mit ihr teilen könnte, dachte trotzdem, dass es nicht schön von ihr ist, dass sie sich nicht nach mir erkundigt.
Es zeigte sich jetzt erst, wie anders wir zueinander stehen. In den letzten drei Wochen sind nämlich ihre Eltern weggefahren, und sie blieb alleine im riesengroßen Haus. Ich habe sie jeden zweiten Abend angerufen, damit sie sich nicht so alleine fühlt, und einmal lud ich sie  ein, ohne dass sie vorher von mir für mehr Aufmerksamkeit gebeten hätte. Ich dagegen habe ihr früh genug Bescheid gesagt, dass ich Anspruch auf eine Sonderbehandlung für die zwei Wochen nach der Einpflanzung haben werde, trotzdem rief   sie mich nicht an.
Ich habe versucht, den versammalten negativen Gefühlen einen Damm entgegenzusetzen, und habe nach einer Woche selbst Zsuzsa angerufen. Ich fragte sie, wie es ihr gehe, aber sie spürte an meiner Stimme, dass ich nicht so freundlich wie sonst war. Als sie mich fragte,  was los ist, erzählte ich ihr, dass es mir weh getan hat, dass sie nicht telefoniert hat.
Sofort wies sie die Schuld zurück: das war ihre erste Reaktion. Danach haben wir noch ein bisschen geredet, und nachdem wir den Hörer abgelegt hatten, schickte sie mir nach einigen Minuten eine Entschuldigung per SMS. Und ich verzieh ihr. Zwei Tage später rief sie an, und ich sagte ihr, dass ich irgendwann am Wochenende das Ergebnis erfahren würde. Ich verriet ihr nicht, dass ich bereits am Dienstag zur Blutprobe gehen werde.

Bei der Einpflanzung wollte ich überhaupt nicht daran denken, dass die 14 Tage, an denen man das Recht zur Hoffnung hat, einmal zu Ende gehen werden. So haben wir den Arzt nicht gefragt, wann genau wir frühestens den Test  machen könnten.
Die Mädchen im Internetforum begannen damit, mich mit ihren Fragen zu sticheln: ob ich zur Blutprobe ins Institut gehen muss und wenn ja, wann? Zu diesem Zeitpunkt ist es mir klar geworden, dass diese glückliche Ignoranz einmal zu Ende gehen wird.
Bald ist etwas schreckliches passiert. Das Mädchen, das die Embryotransfer eine Woche vor mir hatte, machte zu Hause den Schwangerschaftstest. Der Test war positiv. Sie ist gleich zum Institut gefahren, wo eine Blutprobe von ihr genommen wurde. Dieses Ergebnis wurde negativ. Es stellte sich heraus, dass bei ihr die Schwangerschaft wahrscheinlich angefangen hatte, die Einpflanzung ist vorgefallen, die Babies sind aber dann doch nicht im Mutterleib geblieben. Sie sind abgestorben, man kann aber bei solchen Fällen manchmal noch wochenlang hohe HCG-Werte messen.
Das bewegte mich. Ich kannte dieses Mädchen, das mittlerweile mehrere Versuche hinter sich hatte, als jemanden, die mir sehr nahe steht, und wollte auf keinen Fall ähnliches erleben. Ich habe schon oft genug wegen unsere Misserfolge geweint, aber ich wusste, dass es noch Schlimmeres gibt: wenn jemand die Vorstellung, schwanger zu sein, als Fakt betrachtet, und dann hinnehmen muss, das die Schwangerchaft nur ein Wunschtraum war.
Ich habe den Arzt angerufen, und ihm gesagt, dass wir eine Blutprobe machen wollten. Er sah keine Hindernisse, so erhielten wir einen Termin für Dienstag morgen.
Montag war also der letzte Tag der Ungewissheit.
Montagnachmittag kam Ádám müde von der Arbeit. Wir haben miteinander gesprochen. Und das Gespräch wandelte sich unaufhaltsam zu einem Streit. Er sprach nämlich wieder die Sache mit Erika an, und bat mich, meine Anmerkungen aus dem Internetforum doch zu löschen. Nicht, dass Erika Recht gehabt hätte, nur des Friedens wegen.  Damit ich mich auch wohl fühlen kann.
Ich konnte mich nicht länger zurückhalten. Seit zwei Wochen kämpfte ich um die Zweifel, und die negativen Gefühle in meinem Inneren unterzudrücken, und jetzt konnte ich einfach nicht mehr weiter. Seit zwei Wochen arbeitete ich daran, mir vorzustellen, was Lovászi, mein Therapeut sagen würde/ könnte, damit ich es schaffe, die Gedanken, die mit elementarischen Kräften aufbrechen, die seit meiner Geburt von meinen Eltern in mich gepflanzt wurden,  zurückzudrängen. Ich versuchte, mir selbst zu erklären, dass Erika nichts schlimmes für mich gewünscht hatte, sie hatte eben etwas Trost gesucht, deshalb war sie an dem Tag zu uns gekommen. Sie erfasste die Situation aus ihrer Sicht, nicht aus meiner, und hat nicht daran gedacht, dass sie mir schaden kann. Nicht das war ihr Ziel.
Lovászi stand aber nicht bei mir, da er sich gerade auf eine Prüfung vorbereitete, und wir nahmen noch Anfang des Monats Abschied von einander, um eine kurze Pause einzulegen. Ich stand alleine da: ausgeliefert und schutzlos.
Mein Verstand und mein Herz gerieten ins Wirbel, und ich rief  Ádám:
„Hör auf damit! Hör auf damit! Weisst du wirklich nicht, dass du gerade dabei bist... mich zu abortieren?! Du tötest gerade unsere Kinder!!!!”
Ich konnte nicht einmal ihm vertrauen in dieser feindlichen Umgebung. Ich konnte nichts mehr vertrauen.
Er ging raus, und schluchzte auf das Bett gebeugt im anderen Zimmer. Ich blieb auf dem Sofa sitzen.

Später ging ich zu ihm. Ich berührte ihn. Er wendete sich aber nicht zu mir.

Montag, 20. April 2015

Meine Erfahrungen mit der HSG-Untersuchung

Wir haben mit meinem Gynäkologen besprochen, dass die Eileiterdurchgängigkeitsprüfung am Montag durchgeführt wird. Morgens um Viertel vor acht musste ich bei der „Krankenaufnahme” erscheinen.
Ich war noch nie im Leben in einem Krankenhaus, so kam mir das ganze spaßvoll, wie in einem Erlebnisbad vor (am Anfang zumindest). Ich hatte eine Tasche dabei mit Freizeitkleidung und Gumipantoffeln, mit einem Buch zum Lesen und einer deutsprachigen Frauenzeitschrift als Trost. Hab’ sogar ein wenig Schoko und ein Paar Getränke eingepackt.
Auf der Aufnahme hatte ich meine Daten anzugeben, den Namen meines Arztes und der Untersuchung. Dann wurde ich auf die zweite Etage gewiesen.
Da habe ich mich einer Stationärschwester vorstellen müssen, die mich dann in ein Einzelbettzimmer gewiesen hat.
Auf solch ein Luxus war ich überhaupt nicht vorbereitet, ich hab’ sogar fast bedauert, dass mir das richtige kollektive Hospitalerlebnis genommen wird. Anscheinend galt ich als Privatpatientin von Doktor Horváth als VIP Gast. Ich hab sogar den Schlüssel des Zimmers bekommen, so konnte ich es abschliessen, wenn ich aufs Klo musste.
Ich machte die Zimmertür hinter mir zu und zog mich um. Ich habe keinen Pyjama mitgenommen, da ich mich fest entschlossen hatte, meine Menschenwürde zu behalten, ich nahm  eine Freizeithose und ein lässiges gestreiftes Hemd mit.
Nachdem ich mich umgezogen hatte, öffnete ich die Tür ein bisschen, damit niemand von mir denkt, dass ich mich wie in einem 4 Sterne Hotel benehme, wo ein Gast sich, wie er sich nur wünscht, von den anderen fernhalten kann, und machte mich auf dem Bett bequem. Ich las einen neuen Frauenroman, das ungarische „Bridget Jones” und hab mich bestens amüsiert. Ich stellte fest, wie gut ich es eigentlich habe, da ich wenigstens über einen Mann verfüge.
Bis Mittag ist nichts passiert. Als Abwechslung ging ich zweimal ins Bad, und wechselte von Buch zu Frauenzeitschrift.
Um 12 Uhr wurde mir über das Mittagessen Bescheid gegeben. Es war schon komisch, den Speiseraum zu betreten. Man hatte irgendwie das Gefühl, in einer Herberge ganz ohne Sterne zu sein, wo die Einrichtung ziemlich hässlich ist und die Toiletten am Ende des Flurs zu finden sind, in dem aber – als nette Überraschung – das Essen frei ist. Von den Schwestern erhielt ich Besteck, da ich als unerfahrehne Patientin vorher nicht wusste, dass ich welches von Zuhause hätte mitnehmen müssen. Ich wollte Teil der Hospital-Bevölkerung werden, deshalb setzte ich mich zu drei  älteren Frauen und begann meine Suppe zu löffeln.
Das Alter der Damen lag zwischen fünfzig und siebzig, alle trugen Hausmäntel in Knallfarben und Nachthemde mit kleinem Blumenmuster. Offensichtlich waren alle krank. Ich schämte mich, da ich mit meinen 28 Jahren auch zu ihnen gehörte, und schämte mich auch deshalb, dass ich in Wirklichkeit nichts hatte, ich lasse hier nur so die Zeit vergehen, und alle andere haben wer weiss wie schwere Krankheiten.
Ich war gerade dabei, mit dem Verzehr des zweiten Ganges anzufangen, als ich meinen Namen hörte. Der diensttuende Arzt ist angekommen, der offensichtlich den Job hatte, alle Neuankömlinge zu untersuchen.
Ich betrat den Untersuchungsraum. An dem Tisch sah ich fünf oder sechs Ärzte und angehende Ärzte, lauter Männer. Sie unterbrachen das Kauen an ihren Pausenbroten, dann auch das Gespräch und starrten mich alle an, als ich eintrat. Ich war die einzige junge Patientin auf der Station.
Die Krankenschwester wies mich zum Untersuchungstisch, und zog nach meinem bedeutsamen Blick den Vorhang zu, der mich von der Menge der Männer in weissen Kitteln trennte. Ich zog meine Hose und Höschen aus und legte mich mit gespreizten Beinen auf den Tisch, als ob das so ganz normal wäre.
Der Arzt kam, untersuchte mich manual, und ging. Fragte mich, warum ich eingewiesen wurde. Ich muss sagen, dass sein Stil fast als freundlich galt, obwohl er mir nicht mitteilte, was und warum er gerade macht.
Um halb drei rum, als ich mein Zimmer schon ziemlich langweilig fand, erschien mein Arzt. Einmal konnte ich ihn schon früher auf dem Flur sehen, damals tat er aber so, als ob er mich nicht sehen würde, und nichts darüber wüsste, dass er mich hier eingewiesen hatte.
„Leider können wir die Hysteroalpingographie -Untersuchung heute nicht mehr durchführen, da die Radiologie um 14 Uhr schliesst” – sagte er, und erzählte mir noch, dass wir die Sache am nächsten Morgen machen werden. Und dazu sah er noch so aus, als ob er im Ernst denken würde, dass ich hier übernachten werde. Höflich und erschrocken fragte ich, ob es wirklich unbedingt sein muss: er reagierte nachgiebig. Ich darf nach ’Haus, aber nur geheim, nachdem er es mit der Schwester besprochen hat. Ich soll ein Paar von meinen Sachen hier lassen, damit mein Zimmer nicht jemand anderem gegeben wird, und morgens soll ich unbedingt spätestens um Viertel vor acht da sein, noch vor der Visite.
Schnell, schnell, noch bevor er es sich anders überlegt: ich schickte  eine SMS an Ádám, er sollte kommen, dann zog ich mich schnell um, und schon huschte ich nach Hause.
Ich war natürlich extrem enttäuscht, dass ich das Ganze noch nicht hinter mir hatte. Ich sagte meiner Deutschgruppe vom nächsten Tag Bescheid, dass ich den Unterricht leider nicht machen kann. Ich bin ein schlechter Lügner, so gab ich einfach keine Erklärung.
Am nächsten Tag sind wir frühmorgens aufgestanden, damit ich rechtzeitig in mein Hospitalbett schleichen konnte.
Die Visite kam circa um halb Neun. Ich kannte die Bezeichnung Visite, musste aber noch niemals persönlich als Untersuchungsobjekt daran teilnehmen. Nur bei ER und anderen solchen Serien sah ich vorher sowas.
Plötzlich wurde zweimal an der Tür geklopft, und eine Krankenschwester tauchte auf, hinter ihr ein zerschundener Arzt mittleren Alters und unzählige junge Kerle in weissen Kitteln. Es waren so viele, dass sie nicht in das klitzekleine Zimmerchen rein passten, so schauten sie nur so von der Tür herein.
Ich wollte nicht zeigen, wie sehr mich das Gefühl erfasst, welches wahrscheinlich die Schimpansen aus dem Zoo am besten kennen, und saß ganz lässig. Ich empfange ja keine Gäste im Liegen.
HSG?”, fragte mich der Artzt ganz kurz, während er in dem Papierkram blätterte.
„Ja, ja, Herr Horváth wird sie durchführen”, antwortete ich, um Missverständnisse von vornherein auszuschliessen. Nicht, dass dieser müde Fremde mich anfasst!
„Wurden Sie aufgeklärt über die Untersuchung?“
Ich wusste nicht, wie ich antworten sollte, da die Wahrheit war, dass ich Null Ahnung von der Untersuchung hatte. Mein Arzt sagte mir nicht viel, da ich ihn nicht danach fragte. Ich wollte ihn nicht vor seinem Kollegen schlecht einstellen, wollte aber gleichzeitig auch nicht, dass er denkt, dass ich über alles Bescheid weiss, und vielleicht etwas von ,mir erwartet, worüber ich aber vielleicht nichts gehört hatte.
„Uhh... Was soll ich darauf antworten?“, meinte ich halblaut.
„Entweder ja oder nein!“, der fremde Arzt fühlte sich beleidigt, schlug seinen Papierkram blitzschnell zusammen und huschte mit seinem Anhang aus meinem Zimmer. Nur die Krankenschwester nahm meinen Blick wahr.
Die Tür wurde geschlossen und ich blieb allein. Ich weinte. Das war bereits der zweite Tag, den ich total ausgeliefert verbracht habe, an dem es von Lust und Laune unzähliger Fremden abhängig war, was mit mir passiert und wie es passiert – also wie ich mich fühlte.
Vor 12 Uhr kam mein Arzt vorbei, fragte, wie es mir gehe und ich antwortete, es gehe mir gut. Es war gerade Mittagszeit: als die Krankenschwester sah, dass der Herr Doktor zu mir höchstpersönlich zur Konsultation erscheint, bestand sie darauf, mein Essen in mein Zimmer zu bringen. Doktor Horváth sagte, er käme in einer halben Stunde zurück, um mich abzuholen, und verschwand auf der Stelle.
Und er ist wirklich zurückgekommen, zwar nicht in einer halben Stunde, das ist aber nun mal wirklich nicht so wichtig. Ausserdem muss ich mir eingestehen: wenn der Krankenhauspatient eine Unmenge von irgendetwas hat, dann ist das Zeit.
Wir gingen in den Untersuchungsraum, damit er den Katheter, aus der Sorte, die nach seiner Meinung nach ja bei kranken Babies benutzt wird, befestigen konnte. Er drückte sein Missgefallen aus, dass ich kein Nachthemd, sondern eine Hose anhatte.
„So können Sie den ausleitenden Kunststoffröhrchen nicht in der Hand halten, bis wir die Radiologie erreichen“, erklärte er mir, dann kam er aber auf die rettende Idee. „Kein Problem, ich werde es mit einem Klebeband an Ihrem Oberschenkel befestigen.“
Tapfer und mutig habe ich die Prozedur überlebt, muss aber ein ziemlich mieses Gesicht gezogen haben, da er mich fragte:
„Geht es Ihnen gut, Frau Breczko, oder haben Sie Krämpfe?“
„Nein, nein“, versicherte ich ihn. Ich wollte eine brave Patientin sein, ganz genau wie ich schon immer ein braves Mädchen, eine gute Lehrerin und Ehefrau werden wollte. Ich wollte keine m Probleme bereiten.
Wir machten uns auf den Weg zu dem Aufzug, da die Radiologie natürlich zwei Etagen tiefer war, als das Untersuchungszimmer.
Ich bin bisher noch nie mit Herrn Doktor Horváth zu zweit spazieren gegangen. Ich hab noch nie wahrgenommen, dass er ein Paar Zentimeter kleiner war als ich.
Er drückte den Knopf des Aufzuges und während wir auf seinen Ankommen warteten, versuchte er es, mit mir zu plaudern, aber ich habe ihn unterbrochen und meinte, dass ich wahrscheinlich gleich in Ohnmacht fallen werde. Ich setzte mich auf eine Bank, und hielt mein Versprechen. Als ich zu mir kam, wurde gerade meine Stirn von der Stationärschwester mit einem Lappen gewischt, der Herr Doktor stand ein bisschen weiter weg, und ringte seine Hände. Er sah ziemlich unbeholfen aus.
„Warum sind Sie so erschrocken?“, fragte mich die Krankenschwester. „Wegen der Untersuchung oder wegen des Ergebnisses?“
„Wegen der Untersuchung“, habe ich eingestanden. Ich war keine Heldin. Ich glaube, ich bin nicht einmal wegen der Angst vor der Untersuchung in Ohnmacht gefallen. Es war mir einfach zuviel, dass von meinem Unterleib ein Kathäter aushängt, der an meinen Oberschenkel befestigt ist,  ich marschiere so unter lauter unbekannter Menschen zu dem Aufzug, ganz wie ein Roboter, der einige Teile aus Metall hat, und ich plaudere inzwischen mit diesem fremnden Mann , der weiße Kleidung trägt.
Es wurde ein Rollstuhl hergebracht und ein Krankenpfleger, so bin ich dann schliesslich doch in die Radiologie gekommen.
Da war keine einzige Seele außer des jungen Arztes, der mich mit unglaublicher Freundlichkeit empfing. Er stellte sich vor (sowas habe ich noch nie bei einem Menschen mit weissem Kittel erfahren), und fragte mich nach meinem Befinden.
„Es geht mir super“, meinte ich und lächelte vor Scham.
Ich musste mich an eine Wand stellen, zu der ich gefesselt wurde, und das Ding wurde gestürzt, bis wir - die Wand und ich - in waagerechte Posititon geraten sind. Dann wurde durch einen Kunststoffschlauch ein Färbematerial in mein Mutterleib gespritzt, wodurch am Bildschirm schön dargestellt werden konnte, dass beide meiner Eileiter durchgängig sind.
Ich war nicht besonders erstaunt, da ich niemals das Gefühl hatte, irgendwelche Probleme in meinem Mutterleib oder in der Gegend zu haben, und dass dies die Hindernis der Empfängniss wäre. Ich machte nur wegen des Arztes bei den medizinischen Behandlungen mit. So konnte ich mich aber auch nicht besonders über die positiven Resultate freuen, ich war nur ein klein wenig erleichtert.
Ich habe „Nein, danke" zum Rollstuhl gesagt, tortzdem durfte ich nicht zu Fuss gehen und wurde bis auf meine Zimmertür geschoben. Da verabschiedete ich mich vom Krankenpfleger, ohne ihm Geld gegeben zu haben, wie es in Ungarn üblich ist, obwohl er alles mögliche für mich getan hatte.
Wieder in meinem Bett habe ich tapfer und mutig mein Buch gelesen. Der Arzt kam, ich gab ihm die Parasolvenz und erzählte ihm, dass ich in Ohnmacht gefallen bin, weil der diensttuender Arzt so grob zu mir war. Er meinte, falls ich kein Fieber bekomme, kann ich um fünf nach Hause gehen: natürlich auf eigene Verantwortung.
Das Warten war diesmal noch nerviger, als vorher. Um Viertel vor fünf waren schon meine Sachen gepackt, als eine Krankenschwester mit einem Fieberthermometer kam. Nach kaum zwei Minuten in meiner Achselhöhle erreichte der Temperaturzeiger bereits 37. Ich beschloss,  nicht zehn Minuten lang zu messen, damit es keine Chance hat, eine noch höhere Temperatur zu zeigen. Obwohl ich fühlte, dass mein Kopf ziemlich heiß sein muss, unterschrieb ich das Blatt über die eigene Verantwortung und huschte zu Ádám, der im Auto auf mich wartete.
Ich tat, was ich früher nie von mir selber gedacht hätte, und bei anderen – bisher – als Beweis für mangelnde Selbstdisziplin betrachtete: ich hielt diesmal nicht restlos alle ärztliche Vorschriften.
Natürlich hatte ich Höllenangst davor, Probleme zu bekommen, und im Sanitärwagen zu Spott und Schanden ins Krankenhaus zurücktransportiert zu werden, wo ich entsprungen  war, es kam aber zum Glück nicht dazu.
Ich konnte meinen Kopf auf das Kissen (im eigenen Bettchen) legen mit der Gewißheit, dass es bewiesen wurde: es gibt keine organische Gründe dafür bei mir, nicht schwanger zu werden. Die bisherige Erfolgslosigkeit kann nur irgendein Missverständnis sein.